Свято-Елисаветинский монастырь
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Krankenhaus unter beschuss (teil 1)

Nadeshda Tschegodajewa: ...Man entfesselt einen Krieg, um die Bürger seines eigenen Landes zu töten… Das unterliegt keiner Logik, keiner Erklärung. Ich kann nicht begreifen, woher dieser Geist des Hasses kommt. Was jetzt geschieht, ist ein schrecklicher Bürgerkrieg. Wer die Befehle auch immer erteile, dürfe man seinen Bruder nicht ermorden, einen solchen Slawen wie du, der sich nur dadurch unterscheidet, dass er andere Ansichten hat. Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene Meinung. Es ist schwer zu glauben, was jetzt passiert. Es ist, als ob es ein Alptraum wäre, wovon man erwachen wolle. Man wolle, dass alles so sei, wie früher, als wir normal friedlich lebten…

«Ich sah, wie hier alles gebaut wurde»

Ich wuchs in dieser Siedlung (Siedlung Oktjabrskij». — Аutor), machte das Abitur. Mein Vater kam in Donbass nach dem Krieg. Hier begegnete er meiner Mutter, hier heirateten sie. Ich habe zwei Brüder, sie bauten sich ein Haus mit ihren eigenen Händen. Ich wuchs und dieser Kreis wuchs mit. Hier wurden die Schulen gebaut, die Omnibuslinien gelegt. Wir waren glücklich, als der erste Omnibus lief, als das erste Bergwerk eröffnet wurde. Dann wurde eine Schwimmhalle gebaut. Es wurde viel gebaut, es war freudig! Die ersten mehrstöckigen Häuser wurden errichtet…

Hier wohnen lebensfrohe und fleißige Menschen. Es waren hauptsächlich die Bergarbeiter, die hier die Wohnungen erhielten. Ihre Arbeit ist schwer, erschöpfend. Aber sie können gut arbeiten und sich gut erholen. Hier wurde der Kulturpalast des Bergwerkes «Оktjabrskaja» eröffnet, wo viele Klubs und Studios, darunter die für die Kinder, arbeiteten.

Das Iverski-Nonnenkloster wurde eingeweiht. Ich denke an die ersten Gottesdienste in einem Zelt zurück. Archmandritis Antonius (Tschernischew) zelebrierte sie zu jeder Zeit. Unter solchen Umständen hörten die Menschen nicht auf, zum Gottesdienst zu kommen. Später wuchs die Kirche zu Ehren des Hl. Ignatius Brjantschaninow an der Stelle des Zeltes. Mit einem Wort gab es kreative Prozesse. Aber dann kam der Krieg…

«Wir dachten, das wäre eine Flugshow»

Am 26. Mai 2014 sahen wir Jagdbomber im Himmel. Sie begannen auf unsere Siedlung die Bomben abzuwerfen. Wir konnten nicht begreifen, was geschah. Alle gingen aus dem Krankenhaus in den Hof und dachten, eine Flugshow wäre begonnen. Keiner konnte verstehen, was für Ballons in dem Himmel leuchteten. Aber wenn die Häuser zu brennen und zu fallen begannen, verstanden wir, dass ein Krieg in Donbass gekommen war. Jedoch eine Erklärung dafür konnte keiner finden.

Es ist mir unheimlich, wenn ich das ukrainische Fernsehen schaue, die Moderatoren und sogar die einfachen Menschen demonstrieren kein Mitgefühl mit den Bewohnern von Donbass. Woher kommt diese Feindseligkeit?

Die Granaten heulten, die Kugeln pfiffen, aber die Belegschaft des Krankenhauses arbeitete. Die Menschen riskierten mit ihrem Leben. Am 24. November wurde ein Linienbus beschossen, darin waren drei unsere Mitarbeiterinnen. Sie wurden verwundet.

«Man wurde unerwartet beschossen»

Es ist unheimlich schwer, all das zu verstehen und zu erklären. Man hatte und hat Angst. Das geschieht wohl auf der Ebene der Chemie und hängt nicht von dem menschlichen Willen ab. Wenn eine Granate explodiert, so entsteht ein natürliches Angstgefühl. Wenn aber du siehst, dass jemand mehr leidet und deine Hilfe braucht, so sammelst du alle deine Kräfte, um diesem Menschen zu helfen. Es gab viele Verwundete mit verschiedenen Wunden. Man erwartete ja nicht die Angriffe, die Menschen waren auf dem Markt, standen in den Schlangen Brot zu kaufen, fuhren in den Bussen, gingen auf der Straße.

Der erste Beschuß war am 4. September 2014. Die Zerstörungen waren groß, alle Fensterscheiben wurden zerschlagen, die Glasscherben lagen überall umher. Es war kalt draußen und wir machten uns Sorgen um die Patienten und die Ausrüstungen, die zu den Temperaturschwankungen empfindlich sind.

Dann kamen noch Beschüße. Am 24. Januar fielen zwei brennende Granaten auf das Dach der Poliklinik. Das Dach brannte ab. Alle Fenster wurden durch die Stoßwelle zerschlagen. Wir haben die Fenster wieder verglast. Die humanitären Transporte brachten aus Russland Baumaterialien, Glas. Kurz darauf waren wieder Beschüße. Wieder wurden die Fensterscheiben zerschlagen und die Gebäuden zerstört. Sogar zu Ostern am 12. April fielen zwei Granaten auf das Dach des Krankenhauses, zwei – in das Hauptgebäude des Krankenhauses, zwei – in den Hof.

Die Infektionsabteilung für Kinder erlitt auch fünf Treffer. Das Dach wurde zerstört, die Wände auf der ersten Etage, die Fassade des Gebäudes, eine Zwischendecke. Die Wand bauten wir mit unseren eigenen Kräften wieder, die Decke wurde kürzlich von einer Baufirma ersetzt.

Im Geiste stark

Wir kämpfen mit den Schwierigkeiten ständig. Der Mut und die Standhaftigkeit der Menschen sind erstaunlich. Sie leben mit dem Glauben an die gute Zukunft, sie glauben, dass alles Böse bald vorbei ist, dass die guten und lichten Kräfte endlich siegen werden. Das Böse wird nicht unbestraft bleiben. Das alles wird nicht spurlos vergehen.

Oft höre ich die Frage: wo liegt die Ursache für diesen Krieg? Die Ursache ist darin, dass hier die Menschen verschiedener Mentalität leben. Donbass ist als ein sehr stark international geprägtes Land bekannt. Hier leben Vertreter von über 100 Nationalitäten. Hier war nie der Geist des Nationalismus und wird nie sein. Die Bergwerke wurden von den Vertretern aller Republiken der ehemaligen Sowjetunion gebaut. Die Familien assimilierten sich. Es gab hier nie nationale Widersprüche. Die Menschen respektieren die anderen Kulturen. Es wird deshalb nie gelingen, ihnen die Ideen des Nationalismus aufzuzwingen. Die Bergarbeiter schauen jeden Tag dem Tod ins Gesicht. Es ist sehr schwer, sie einzuschüchtern. Andererseits sind sie nicht aggressiv. Jedoch können sie sich und ihre Meinungen verteidigen. Deshalb werden die Kriegshandlungen geführt. Wir können nicht verstehen, warum man uns tötet und unsere Häuser zerstört, erst recht, dass es nicht um einen äußeren Feind geht, sondern um das eigene Volk.

Wie kann man den Alten ihr Obdach nehmen? In einer Stunde bleiben die Menschen ohne Wohnung, werden obdachlos. Wofür? Ihr ganzes Leben lang haben sie gearbeitet, ihre Häuser gebaut. Plötzlich haben sie alles verloren. Wer zerstört? Ihre Mitmenschen. Gerade das ist schrecklich und lässt sich nicht erklären. Warum geschah solcher Zwist in den Köpfen? Solche Gehirnwäsche? Aus welcher Quelle? Wer stiftet diesen Haß? Wer steckt dahinter? Das wissen wir nicht.

«Es tut uns leid»

In unseren Seelen gibt es weder Haß noch Zorn. Es tut uns leid. Wir sind Ärzte. Die politischen Ansichten und der religiöse Glaube gehen uns nicht an. Wenn uns ein Patient eingeliefert wird, sollen wir ihm helfen. Nach der Genfer Konvention von 1949 sollen die Ärzte allen sich bekämpfenden Seiten Hilfe leisten. Wir unterscheiden die Menschen nicht, wir haben keine Feinde, wir sind ein Volk.

Manche behaupten, hier seien die russischen Truppen. Sie machen aus Russland einen Feind. Warum sollen die Russen unsere Feinde sein? Das sind unsere Brüder. Sie sind auch Slawen, die Menschen desselben Glaubens. Russland wird nie unser Feind sein, so sehr man das auch wolle. Wir gehören einer Kultur.

Die Führer kommen und gehen, aber die Völker bleiben. Sie werden weiter als Freunde zusammen leben, Familien gründen, Kinder zeugen. In jeder Familie gibt es Ukrainer und Russen. Manchmal fällt es schwer zu verstehen, wer du bist – Ukrainer oder Russe. Es gibt keine Scheidung zwischen uns. Wir sind und bleiben Brudervölker.

«Die Geschichte verzeiht das nicht»

Alles vergeht in dieser Welt. Jeder Mensch soll einen festen moralischen Kern haben. Es ist unzulässig, sich in diesem Leben immer drehen und wenden. Heute denkt man so, morgen anders. Man soll moralische Grundsätze haben. Man soll ihnen treu bleiben. Man soll keinem Menschen Tod wünschen, man soll keinen Krieg entfesseln. Der Kriegsstifter wird von Gott gerichtet werden.

Jeder Leiter, auf jeder Ebene, soll an das Wohl der Menschen denken, die ihm unterstehen, damit sie gemütlich leben, damit sie gute Lebens- und Arbeitsbedingungen haben. Wenn aber der Mensch voll Ambitionen ist, gibt es nichts Gutes. Wenn man eine tödliche Spur hinterlässt, wird die Geschichte das nicht vergeben. Das ist traurig.

Mensch bleiben

Während des Krieges demonstrierte jeder Mitarbeiter viel Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft. Das ist erstaunlich! Im entscheidenden Moment brauchte man den Menschen nichts zu sagen, nicht zu überzeugen, nicht zu bitten. Man arbeitete ohne Panik, ohne Hast, ohne Hysterie. Wenn die Verwundeten eingeliefert wurden, arbeiteten die Ärzte 24 Stunden. Alles war gut organisiert, der eine verband die Wunden, der andere machte Blutteste, Kardiogramme, Injektionen. Alles war ohne unnötige Emotionen. Dadurch demonstrierten die Menschen ihren Mut, denn das war unter dem Beschuß. Ich denke, dass es keine größere Probe gibt als der Krieg. Vieler Mitarbeiter Häuser sind abgebrannt, sie haben alle Sachen verloren und wohnen mit ihren Angehörigen in dem Krankenhaus.

Dabei hassen sie die Welt nicht, verfallen nicht in Extreme, bleiben optimistisch und ergeben ihrer Arbeit. So soll es sein. So benimmt sich ein normaler Mensch. 70% der Mitarbeiter sind da geblieben, sind nicht von hier gegangen. Obwohl alle haben natürlich Angst.

Im September gab es keine Nahrungslieferungen. In unserer Küche gab es nur Pflanzenöl und Fischkonserven. Es gab keine Mehl, kein Brot, keinen Zucker, kein Salz, keinen Tee. Wir selbst sollten für die Patienten Brot bezahlen. Im Oktober-November, als die humanitären Transporte aus Russland kamen, wurde es leichter. Jetzt bekommen die Patienten normales Essen. Russland hilft gut. Wir erhalten Löhne, Nahrungsmittel, Medikamente. Das Sortiment der Medikamente ist jetzt besser als es in der friedlichen Zeit war. Unsere Patienten bekommen vollwertige Nahrung.

Es war sehr rührend, als wir humanitäre Hilfe erhielten und die Kartons von den russischen Kindern auspackten. Darin waren Ansichtskarten mit Wünschen, Bonbons-Schachteln, Kindergeschenke. Es war offensichtlich, dass die Menschen Mitleid mit dem Schicksal des Volkes hatten, das in Donbass lebt…

Fortsetzung folgt…

Aufgeschrieben von Nonne Johanna (Pankowa)

17.11.2015

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