Свято-Елисаветинский монастырь
Главная Написать Карта сайта
Свято-Елисаветинский Видеоканал Свято-Елисаветинский Читать Свято-Елисаветинский
Regen. Teil 3. (Wirkliche Geschichte)
Nikolaj Gawrilow

Der Weg zur Ringstraße führte durch die Stadtmitte. Als wir an dem leeren Markt vorbeifuhren, erblickte Irina eine ältere Frau, die auf dem Bürgersteig stand. Es war heiß, aber sie hatte eine gestrickte Weste an. Sie hatte nur eine Plastiktüte mit ihren Sachen mit. Irina sah diese Frau nicht zum erstenmal dort. Diese ältere Frau (Sie war ein Flüchtling.) kam mit einem Fahrzeug aus dem Bereich des Flughafens Donetsk, und jetzt konnte man sie auf dem städtischen Markt sehen. Wahrscheinlich stimmte etwas mit ihrer Psyche nicht. Wenn ein schroffer Laut draußen zu hören war, griff sie die Passanten an dem Arm, starrte sie an und sagte entsetzt: «Hören Sie? Es geht los!» Sie lebte in zwei Dimensionen. Es war, als ob ihr Leib mit dem Strom der Flüchtlinge geflüchtet, aber ihr Bewusstsein für immer dort geblieben wäre, wo die Panzer auf die Menschen schießen, wo zerfetzte Menschen auf den Straßen liegen. Jeden Tag von früh bis spät stand sie auf dem Markt und verfluchte den geflüchteten Präsidenten Janukowitsch. Das tat sie auch jetzt.

— Wo bist du?! — schrie sie hysterisch und drohte mit ihrer Faust in den Himmel. — Hast uns sterben zurückgelassen?! Du bist ja aus Donbass. Wir haben für dich gestimmt. Wir haben uns dir anvertraut, und du hast dein Volk verlassen!.. Komm wieder her und stirb mit unseren Söhnen!!! Sitze in den Kellern mit den Frauen, stirb mit uns, wenn du etwas wert bist. Teile dein Schicksal mit dem Volk, du Feigling!..

Um auf die Mariupoler Chaussee raufzukommen, sollten wir mit unserem «Lada» fast bis Donetsk fahren. Auf dem Ring sollten wir am Straßenrand stehen bleiben, eine Kolonne von Panzerwagen bewegte sich Richtung Donetsk. Sie donnerten mit den Raupenketten und warfen Ströme schwarzen Rauch hinaus. Auf den Panzern saßen die Militärs in den Helmen, Panzerwesten und mit den Maschinenpistolen. Einige von ihnen sahen noch ganz kindlich aus.

Sie schaukelten im Takt der ruckartigen Bewegungen der Wagen und schauten von oben auf die Flüchtlinge. Ihre Gesichter strahlten geheimnisvoll vor einem schweigsamen Stolz. Sie schienen begriffen zu haben, dass ihr eigenes Leben nicht der wichtigste Wert auf dieser Erde wäre, sondern es etwas Wertvolleres gäbe, was die Menschen, die vergessen hätten, was die Ehre bedeute, nicht begreifen könnten.

Auf einem der Schützenpanzerwagen mit den riesigen Rädern flatterte eine weiß-blaue russische Andreas-Flagge. Darauf stand das Motto der russischen Infanterie geschrieben: «Leb aktiv, stirb würdenvoll». Die Worte widersprachen der Tat des feigen Präsidenten Janukowitsch.

Der weiße «Lada» ließ die Kolonne vorbeinfahr und bog einige Minuten später in die Straße ein, die nach Nowoasowsk und Mariupol führte. In dieser Richtung war die Straße ganz leer.

***

Die Sonne brannte. Die Luft über dem heißen Asphalt zitterte. Die hohen pyramidalen Pappelbäume auf den beiden Seiten der Chaussee grünten. Die von dem gelben Federgras bedeckte Steppe schien unendlich zu sein. Der Himmel war blau. Manchmal waren die noch ungeernteten Sonnenblumenfelder durch die Autoglasscheiben zu sehen. неубранный

Der Tachometerzeiger stand zitternd auf 100 Kilometer pro Stunde. Das Auto sprang auf den Schlaglöchern der Straße, die lange nicht repariert worden war. Die heiße Luft drängte durch die runtergeschobenen Fensterscheiben ins Auto ein.

Die Chaussee lief auf und ab, an den Hügeln vorbei. Wir waren eine halbe Stunde unterwegs, aber keine Merkmale des Krieges waren zu sehen, geschweige dass die Straße unnatürlich leer war. Die Reifen des Autos dröhnten, es bedeutete, dass hier vor kurzem eine Kolonne von militärischen Panzerwagen gefahren war. Die Panzerraupen hinterlassen gewöhnlich auf dem Asphalt die ausgekratzten hellen Spuren, die nachher von den Reifen der anderen Fahrzeugen abgewischt werden. Aber die Unebenheiten bleiben, deshalb dröhnen die Reifen auf solchem Asphalt. So kann man feststellen, wann die Panzerfahrzeuge gefahren und wohin sie abgebogen waren. Von unseren Rädern kam ein niedriger dröhnender Laut. Wir konnten schlussfolgern, dass da eine Kolonne schwerer Fahrzeuge vor kurzem gefahren war. Das war lebenswichtig, aber die Erwachsenen schenkten diesem Dröhnen keine Aufmerksamkeit.

— Bald werden wir das Meer sehen, — sagte der Großvater indem er sich an die Enkelkinder wandte. — Dort drüben, rechts. Erinnert ihr euch daran, wie ihr im vorigen Jahr am Meer gewesen seid? Mutti erzählte, dass es euch gefallen hatte…

Irina beruhigte sich ein wenig. Beim Verlassen der Stadt zuckte Irina innerlich mehrmals zusammen und flüsterte: «Herr, laß das Unglück vorüberziehen». Außerhalb der Stadt wurde es leichter. Die Steppe erweckte das Gefühl der Weite und Freiheit. Es gab keinen Menschen um uns herum. Nichtsdestoweniger verstand die Mutter, dass sie sich nur an der Grenze beruhigen könnte.

— Der Zirkus in Rostow ist einer der besten, — setzte der Großvater fort. So wollte er die Spannung in dem Auto ein wenig locker machen. — Ihr wart ja noch nicht im Zirkus. Wir wollen euch dorthin bringen. Löwen, Bären, Hunde, Clowns mit den lustigen Nasen… Die Kinder lachen aus vollem Halse vor Begeisterung… Rostow ist eine kleine Stadt, nicht so wie die unsere. Und Geschäfte sind überall, und Eis ist in jedem Geschäft, soviel du willst…

— Mutti, es ist heiß, flüsterte Polina der Mutter zu, um den Großvater nicht zu stören. In der Hektik hatte die Mutter dem Mädchen statt Sandalen Sportschuhe angezogen, und jetzt war es ihren Füßen nicht gemütlich bei dieser Hitze. Das Mädchen stellte sich das Eis vor, wovon der Großvater erzählte, — ein riesiger Waffelnbecher mit drei weißen kalten Eiskugeln. Die Fantasie hatte aber sie nicht erfrischt.

— Die Sandalen sind in der Tasche, in dem Kofferraum. Später werde ich sie dir anziehen. Und jetzt laß mich dir die Sportschuhe ausziehen. Bleib barfuß sitzen, sowieso läufst du jetzt nicht. Dafür gibt es hier drin keinen Platz. Stimmt, ich habe dich angekleidet, als ob wir zum Nordpol wollten… — antwortete die Mutter und kleidete die Tochter auf dem Sitz aus.

Der Großvater schaltete sich inzwischen auf den Vater um.

— Mein Kamerad ist auch ein eingefleischter Angler, — erzählte er seinem Schwiegersohn. — Dort ist Don. Gut angeln. Einmal brachte er mir geräucherte Brachsen. Fett tropfte runter von ihnen. Mit Bier sind sie lecker. Schöne Sache!

Der Vater schwieg und nickte nur mit dem Kopf. Er schaute immer auf die Straße. Vor einem Jahr fuhr er seine Familie an das Meer. Es war sehr heiß in dem Auto, die Musik dröhnte laut aus der Anlage. Unter den Füßen und in dem Kofferraum standen die Taschen mit Kleidung, Decken, und mariniertem Fleisch fürs Grillen. Die Stimmung entsprach dem von der Sonne und Freude erfüllten Wochenende. Die Kinder schauten eifrig durch die Fenster, sie waren gespannt, denn die glänzende Meeresfläche musste bald am Horizont auftauchen. Die Stützen der elektrischen Linien flogen schnell an dem Auto vorüber. Die Zukunft schien hell und klar zu sein, auf viele Jahre geplant. Auf der Welt gab es keine schwarzen Farben, der Lebensweg war lang und eben, wie jene Chaussee. Aber es stellte sich heraus, dass das menschliche Schicksal sich im Nu ändern kann. Wir wissen nicht, was auf uns wartet, wir schauen auf die Sonne und sagen sich selbst und den anderen: «Morgen wird sie wieder aufgehen.» Aber es kann geschehen, dass sie nicht aufgeht. Wenigstens für uns.

Фото 3

— Schaut, — sagte plötzlich die ältere Tochter Julia, die auf dem hinteren Sitz saß, und zeigte mit ihrem Finger nach rechts. — Schaut! Rauch…

Des Mädchens leiser Schrei brachte alle zur Wirklichkeit. Etwa ein Kilometer vor uns begann eine Kurve. Dort hinter der Kurve stand eine schwarze Rauchsäule.

— Es muß das Gras brennen, — sagte Irina schnell und schaute nach vorn. Der Ehemann schüttelte den Kopf. Er wollte damit sagen, dass es kein Gras war. Er fuhr langsamer. Im Auto herrschte das Schweigen. Der Wagen rollte langsam weiter, als ob er zweifelte, ob es sich lohnte, dorthin zu fahren.

Unten hinter der Kurve brannte ein militärischer «Ural»-LKW. Der Wagen stand vor einer tiefen Schlucht. Seine Plane war fast abgebrannt, die Flamme leckte die Farbe des Fahrerhauses, die Reifen schmolzen, die Windschutzscheibe war zersplittert. Das Gras unter dem Wagen war ausgebrannt. Schwarzer Rauch stieg empor.

Der Vater fuhr langsam an dem brennenden Wagen vorüber. Alle schwiegen. Der Großvater hörte auf, vom Eis, Zirkus und den Clowns zu erzählen, er saß schweigend und starrte vor sich hin. Wenn man ihm in die Augen geschaut hätte, so hätte man merken können, dass sie verwirrt und hilflos waren, wie die eines Kindes.

Es war ein Eindruck, als ob es da keine einzige Seele gab. Es war still, die Chaussee war leer, nur der verlassene Wagen brannte. Die Landschaft ähnelte einer Kriegslandschaft. Überlall waren die Spuren eines Kampfes zu sehen. Ein Granatentrichter am Straßenrand, Baumzweige mit grünem Laub auf dem Asphalt…

— Оh… — stöhnte die Mutter. Mehr konnte sie nicht sagen. Vater sagte auch nichts, er versuchte die Zweige auf dem Asphalt so präzise wie möglich umzufahren, denn auf der Straße könnten scharfe Metallstücke liegen. Einen Ersatzreifen gab es in dem Kofferraum nicht.

In der Ferne donnerte es, als ob dort Gewitter wäre. Bald hörte das Donnern auf.

Der «Lada» passierte langsam die Kurve, der Wald rechts wurde dünner, und alle sahen, wie einige kleine rote Flammen in den Himmel schossen. Von der Ferne sahen sie langsam und nicht erschreckend aus. Sie leuchteten auf und fielen bogenartig runter. Sie verwandelten sich in schwarze Räuche, kaum sie den Boden erreichten. Danach stiegen andere Lichter in den Himmel empor.

DerVater bog ab und hielt auf dem Straßenrand an. Kiessteine schepperten unter den Reifen. Wir hörten erneut einen weiten Donner. Die rötlichen Lichter gingen ca. ein Kilometer von der Stelle auf, wo wir anhielten. Sie fielen langsam und wurden zu Rauchklecks. Das Gedonner dehnte sich weit in der Steppe. Es war wie bei einem Gewitter, aber der Himmel war erstaunlich blau und klar.

— Jura, was tun? — fragte die Mutter leise.

Aber ihre Frage blieb unbeantwortet. Keiner könnte jetzt sagen, was richtig gewesen wäre. Ein Zimmer in der Wohnung des Freundes des Großvaters, eine Bank am Bahnhofsplatz in Rostow oder etwas Ähnliches schienen märchenhaft und unrealistisch. Wir konnten nicht glauben, dass es ein anderes friedliches Leben geben könnte, wo die Menschen ruhig schlafen gehen, wo die LKWs nicht brennen, wo Granaten in dem Himmel nicht fliegen, wo alle Probleme vom Standpunkt des Krieges nichtig und leer erscheinen.

…Einige Stunden zuvor raste ein Taxi-Kleinbus mit neun Fahrgästen auf dieser Straße. Der Fahrer, der seine Familie vorsorglich nach Krasnodar geschickt hatte, beschloß, an der menschlichen Panik wildes Geld zu verdienen – für den einen brennt es, für den anderen wärmt es. Die Frauen in dem Bus waren bleich wie Schnee, eine von ihnen griff an dem Schulter des Fahrers und schrie ihm hysterisch ins Ohr:

— Wohin fährst du uns? Hier wird es ja geschossen!!!

Aber der Fahrer antwortete und schrie:

— Frau! Setzen Sie sich, jetzt wird es überall geschossen!

Hinter uns donnerten die Explosionen, und das Auto raste mit der Geschwindigkeit von Hundert Kilometern pro Stunde, die Federung zerstörend, die Fahrgäste sprangen auf ihren Sitzen hoch, schlugen mit ihren Köpfen gegen die Decke des Busses, ein Kind weinte, seine Mutter versuchte es zu trösten, aber selbst schrie sie laut vor Angst…

Der Fahrer drückte auf das Gaspedal. Er zog vor, sich auf das Schicksal zu verlassen und zu der Grenze zu fahren, wo es nicht geschossen wird, als hier zu halten oder zurückzufahren, wo es noch lange geschossen werden wird.

Der Kleinbusfahrer hatte es besser als die anderen — in dem Bus waren nicht seine Kinder…

— Wir versuchen in Starobeschewo zu gelangen, dort müssen die Menschen sein. Wir werden sie fragen, was gibt es vorne, — entschloß sich der Vater nach einem langen Schweigen.

Er schaute zurück, um die Ehefrau und die Töchter aufzumuntern. Polina sah klar, wie auf seiner Stirn die Schweißtropfen runterrollten.

24.02.2016

Startseite / Das Leben der Heiligen Elisabeth / Kloster / WERKSTÄTTE / Dienste / Metochia des Klosters / Fur Pilger / Kontaktieren Sie uns / Der festliche Chor des Klosters der Heiligen Elisabeth / Archiv /
ГлавнаяНаписатьКарта сайта